Spatenstich der 1. niederösterreischischen
Lehrlingsbaustelle erfolgt!

Am 24. Oktober 2003 um 10 Uhr erfolgte der Spatenstich zur Lehrlingsbaustelle in Liebnitz.

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Spatenstich zur ersten niederösterreichischen Lehrlingsbaustelle erfolgt.

Lehrlinge bauen Pflegeheim für todkranke Kinder.

Lehrlinge aus 17 verschiedenen Handwerksberufen bauen seit Freitag, im Waldviertel ein Wohn- und Ferienpflegeheim für an der tödlichen Stoffwechselerkrankung MPS leidende Kinder. Den Spatenstich in Liebnitz, Gemeinde Raabs/Thaya, nahmen Landeshauptmann-Stellvertreterin Liese Prokop und Wirtschafts-kammer-Präsidentin Sonja Zwazl vor. Mit dem Projekt will die Initiative Handwerk Werbung für die Lehre am Bau machen.

Bereits ab 2005 rechnet die Bauwirtschaft mit einem akuten Fachkräftemangel. Der Grund: Für eine Lehrstelle am Bau finden sich nur wenige qualifizierte Jugendliche. „Der Nachwuchsmangel ist eine ernsthafte Bedrohung für die hohe Qualität der niederösterreichischen Bauwirtschaft“, warnte Wirtschaftskammer-präsidentin KR Sonja Zwazl beim Spatenstich für die erste niederösterreichische Lehrlingsbaustelle.

„Das Projekt soll zeigen, wie vielseitig die Arbeit am Bau ist: Kraft, Geschicklichkeit, Hirn, Lernbereitschaft – die Lehre am Bau stellt hohe Qualifikationsanforderungen an die Lehrlinge, das wird in der breiten Öffentlichkeit völlig unterschätzt“, so die niederöster-reichische Wirtschaftskammer-Präsidentin. Gleichzeitig solle die Lehrlingsbaustelle natürlich auch Unternehmen motivieren, noch mehr in die Ausbildung des Nachwuchses zu investieren.

Wichtiges Sozialprojekt. Dass mit der Lehrlingsbaustelle ein wichtiges soziales Projekt gefördert wird, war Landeshauptmann-Stellvertreterin Liese Prokop ein großes Anliegen: „Das geplante Ferienpflegeheim wird MPS-kranken Kindern ermöglichen, gemeinsam mit ihren Familien für einige Wochen im Jahr zur Ruhe zu kommen und auszuspannen.“

Aber auch die auf der Lehrlingsbaustelle arbeitenden Jugendlichen würden vom Projekt profitieren: „Sie werden gefordert und gefördert. Hier können sie sich selbst beweisen“, meint Prokop. Dass Lehrlinge praktisch im Alleingang ein ganzes Gebäude errichten, sei ein großer Vertrauensvorschuss: „Doch wir haben keinen Zweifel, dass sie diesen auch rechtfertigen werden.“

17 verschiedene Berufe. Tatsächlich wird das Gebäude in Liebnitz, Gemeinde Raabs an der Thaya, ausschließlich von Lehrlingen umgesetzt. 17 verschiedene Berufe – Maurer, Trockenausbauer, Installateure, Elektriker, Tischler, Spengler, etc. – arbeiten mit. Die insgesamt rund 100 Lehrlinge sind für „ihre“ Baustelle alleine verantwortlich. Ihre Ausbildner halten sich bei dem Projekt bewusst im Hintergrund, stehen für Fragen zur Verfügung und machen lediglich auf grobe Fehler aufmerksam.

Gebaut wird ein Wohn- und Ferienpflegeheim mit 876 Quadratmetern Wohnnutzfläche. Es umfasst sechs herkömmliche Wohneinheiten sowie ein Pflegeheim für MPS-kranke Kinder. Sie können dort mit ihrer Familie einige Wochen Urlaub machen und werden in dieser Zeit professionell betreut. Die Eltern können sich, unterstützt von Therapeuten, von der enormen körperlichen und psychischen Belastung durch die Pflege ihrer todkranken Kinder erholen.

Hohe Motivation. „Selbst für eine Baustelle verantwortlich zu sein, motiviert die Lehrlinge zu Höchstleistungen“, schildert Andreas Müller, Geschäftsführer der Initiative Handwerk Marketing GmbH, der bei der ersten Lehrlingsbaustelle in Vorarlberg als Projektleiter agiert hatte. Ein Maurerlehrling habe kurz nach Abschluss der Lehrlingsbaustelle, sofort nach seiner Lehrabschlussprüfung sogar die Leitung einer Baustelle übertragen bekommen.

Die Idee zur Lehrlingsbaustelle hatte Müller als Herausgeber der österreichweit erscheinenden Bauherrenmappen. Immer wieder erzählten ihm Handwerker, dass sie keine qualifizierten Jugendlichen für ihre Lehrstellen fänden. Müller: „Das Image der Lehre am Bau ist schlecht. Doch wir zeigen mit unserem Projekt, dass es Spaß macht, mit seinen Händen Tag für Tag Neues zu schaffen.“

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